Verstorben – und doch mitten unter uns. Am 29. März ist Rolf verstorben, und doch haben wir oft das Gefühl. Als wäre er mitten unter uns. Das wird auch an der kommenden Maifeier so sein, denn soweit wir zurückdenken können, hat Rolf die Feier zum ersten Mai in Biel als Fotograf begleitet. So hat er viele von uns im Bild porträtiert und auf diese Weise an der Chronik unserer Maifeier mitgearbeitet.
Ein Mitkämpfer. Rolf war ein sehr guter Beobachter. Doch er war auch ein Mitkämpfer mit einem vorbildlich langen Atem. Seine Haltung zeigte er nicht nur am Ersten Mai – auch im Alltag trug er gerne seine Mütze mit dem roten Stern an der Mütze.
Hier in Biel, aber auch an anderen Orten, hat Rolf manchen Kampf für eine bessere Welt mitgetragen, manchmal auch initiiert. Vor einem Vierteljahrhundert hat er sich als Sekretär der Gewerkschaft SMUV, später der Unia, für unsere Anliegen eingesetzt: im Kampf gegen die Arbeit auf Abruf, gegen Lohnsenkungen, für die Rettung von Arbeitsplätzen. In Pieterlen zum Beispiel erkämpfte er bei einer Firma einen sehr guten Sozialplan.
Ein jahrzehntelanges Engagement. Rolf hat früh begonnen, sich gegen ungerechte Verhältnisse zu wehren. Der in Grenchen aufgewachsene gelernte Typograph lebte als junger Mann in Arbon am Bodensee, wo er zusammen mit dem Journalisten und Schriftsteller Stefan Keller in der Gruppe «Roter Felix» mitmachte. Damals lernte er auch den ehemaligen Bieler Ernst Rodel kennen, der den 1920er-Jahren in Biel die linke Tageszeitung «Seeländer Volksstimme» geleitet hatte. Inspiriert von Ernst Rodel, schrieb Rolf als freier Mitarbeiter der «Thurgauer AZ» mutige und notwendige Zeitungsartikel. Zu den wichtigsten Kämpfen, die Rolf in Arbon führte, gehört sein Einsatz für die Erhaltung eines Biotops, das auf einer Seeuferaufschüttung direkt am Bodensee auf natürliche Weise entstanden war.
Führung von Ortsparteien in Grenchen, Kantonsrat in Solothurn. Nach seiner Rückkehr nach Grenchen 1981 präsidierte Rolf während vier Jahren die dortige Sektion der Progressiven Organi-sationen Schweiz (POCH), bevor er zur Grünen Partei wechselte. Während acht Jahren, von 1993 bis 2001, präsidierte Rolf die Grünen Grenchen. 1997 wurde er in den Kantonsrat gewählt, nicht zuletzt dank einem hohen Stimmenanteil in Grenchen.
«Im Bewusstsein (…) dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen». Im Solothurner Kantonsparlament blieb Rolfs politische Leitlinie stets die Verteidigung der Lohnabhängigen und der sozial weniger gut gestellten Menschen. Noch lange nach seiner Amtszeit ist er als markanter Volksvertreter in Erinnerung geblieben, der in seinen Voten die Sachlage auf den Punkt brachte. So bezeichnete er einen Kredit für die Feier der Schlacht von Dornach als «unsittlich», nach fremdenfeindlichen Voten der SVP-Vertreter kritisierte er deren «himmeltrauriges Menschenbild».
Engagement bis fast zuletzt. Trotz immer spürbarer werdenden gesundheitlichen Beschwerden hat Rolf sich weiter politisch engagiert, insbesondere als Mitbegründer der Unia-Ortsgruppe Biel und als Vorstandsmitglied unserer Sektion SP Biel-Madretsch.
Kulturelles Schaffen und vielseitige Verwurzelung. Rolf hat sich schon früh über die Politik hinaus engagiert. Er war ein begeisterter Fussballer beim FC Grenchen. Als Fotograf, als Erfinder von Spielen, als Kunstmaler und als Verfasser und Regisseur von Theaterstücken hat er sich stets kritisch, aber lebensbejahend mit unserer Gesellschaft auseinandergesetzt. Auch in diesen Werken bleibt er uns in guter Erinnerung.
Abschied. Rolf hat sich einen Abschied im engsten Familienkreis gewünscht. Wir respektieren seinen Wunsch und nehmen unsererseits an der kommenden Maifeier Abschied von ihm, ohne einen eigentlichen Abschiedsanlass im grösseren Kreis.

