Aus der Geschichte der Postfiliale Biel Madretsch (1863 – 2026)

Die Anfänge der Postfiliale Madretsch

Die erste Niederlassung der Schweizer Post in Madretsch geht auf das Jahr 1863 zurück. Unser Quartier war damals eine selbständige Gemeinde mit einer Bevölkerung von etwa 500 Personen, doch dank der Industrialisierung nahm die Einwohnerzahl Jahr für Jahr zu.  Am Anfang existierte nur eine Postablage, also ein Ort, an dem man Briefe zur Weiterbeförderung abgeben konnte. Der erste Ablagehalter, Jean Wienneth, trat sein Amt am 1. April 1863 an, seine Anfangsbesoldung betrug 228 Franken pro Jahr. Der erste Briefträger der Postablage wurde im Jahr 1874 angestellt. Dessen Arbeitsbedingungen waren hart: Ein Briefträger machte täglich fünf Tourneen, seine Tagesarbeitszeit betrug 12 Stunden. Zusätzlich musste er täglich sechs Stunden Pikettdienst leisten! Solche Dienstvorschriften widersprachen gar dem damaligen Arbeitsrecht.

Wo genau sich die Postablage befand, ist leider nicht überliefert. Weil sich viele Postablagen in der Frühzeit der Schweizer Post in Wirtschaften befanden, liegt die Vermutung nahe, dass sie im «Café de la Poste» an der Alfred-Aebistrasse untergebracht war – genau gegenüber befand sich die Gemeindeschreiberei.

Abb 1: Das «Café de la Poste» an der Alfred-Aebi-Strasse in Biel-Madretsch, um 1900

Abb 2: Das Zustellgebiet der Postfiliale Madretsch, um 1910

Das erste Madretscher Postbüro an der Madretschstrasse 19 um 1910 (Abb 3), das Gebäude heute (Abb 4)

36 Jahre unter weiblicher Führung

Ab dem Jahr 1884 wurde die Post Madretsch von einer ledigen Frau geführt, nämlich von Marie Grimm. Damals betrug der schweizweite Frauenanteil bei den Postberufen 17,5 Prozent. Grimms Nachfolgerin, Frau Cécile Saunier, trat ihre Stelle im Jahr 1890 an, als die Post Madretsch erstmals als Postbüro geführt wurde und über zwei Briefträger verfügte. Dieses erste Postbüro von 1890 wurde neben dem Restaurant Löwen an der Madretschstrasse 19 eingerichtet. Es verfügte nicht nur über das Büro und den Schalterraum, sondern auch über eine Telefonkabine, einen Laderaum, eine Remise und eine Toilette für das Postpersonal. In die Amtszeit von Frau Saunier fällt die Gründung der ersten Gewerkschaft des Postpersonals in unserer Region – im nahen Biel gründeten am 29. August 1892 zwanzig Postangestellte eine Bieler Sektion der Postgewerkschaft, die nach am Gründungsabend 33 Mitglieder zählte. Im Jahr 1896 erzielte die Postgewerkschaft einen ersten grossen Erfolg: Sie informierten Vertreter grosser Schweizer Zeitungen über die miserablen Arbeitsbedingungen. Die Presseberichte fanden ein Echo, und die Post musste nachbessern. Allein in der Gemeinde Biel wurden zehn Stellen geschaffen, die Bestimmungen des Arbeitsrechts wurden endlich eingehalten.

Genau ein Jahr vor ihrer Pensionierung am 1. Januar 1921 erlebte Frau Saunier die Fusion der Gemeinde Madretsch mit der Stadt Biel. Schon ein Jahr vor der Fusion, am 1. Januar 1919, hatten die Briefträger der Hauptpost Biel die Postzustellung in Madretsch übernommen.

Die Frage nach einer zusätzlichen Madretscher Postfiliale

Als Nachfolger von Frau Saunier wurde Eugène Marchand als Posthalter angestellt. Er kam in den Genuss von bedeutenden sozialpolitischen Verbesserungen – infolge des Landesstreiks war die Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden gesunken, und dank dem Beamtengesetz des Jahres 1928 verfügte das Postpersonal über eine hohe Arbeitsplatzsicherheit. Während Marchands Amtszeit nahm die Bevölkerung des Madretschquartiers weiter zu – an der äusseren Brüggstrasse, im Mühlefeld, im Lindenquartier und im Möösli entstanden neue Siedlungen. So fragte sich die «Seeländer Volksstimme» am 7. Dezember 1929, ob Madretsch nicht eine zweite Postfiliale benötige. Herr Marchand hielt die Kapazität der Filiale für ausreichend, regte aber an, die Postdienste weiter östlich am Brühlplatz anzubieten, damit die grossen Unternehmen vermehrt die Dienste der Hauptpost Biel in Anspruch nehmen würden.

Sparmassnahmen, Verkleinerung der Postfiliale

Zu einer zusätzlichen Postfiliale in Madretsch kam es nicht – im Gegenteil. Die Schweizer Post musste sparen, nicht zuletzt im Zusammenhang mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise. In Madretsch veranlasste sie 1934 eine Redimensionierung der Posträumlichkeiten, mit der Begründung, dass die Postzustellung seit Jahren von der Hauptpost erledigt werde. Der Posthalter Auguste Streit, der Herrn Marchand nach dessen Pensionierung ab dem 1. März 1931 abgelöst hatte, befürwortete diese Massnahme.

Die schwierigen Jahre 1939-1945

Mit dem Überfall des nationalsozialistischen Deutschland auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. In der Schweiz kam es am gleichen Tag zur allgemeinen Mobilmachung, die vielerorts einen akuten Personalmangel bewirkte. Für die Schweizer Post galt es, die Armeeangehörigen im Aktivdienst so gut wie möglich zu versorgen. Die Feldpost wurde ausgebaut, dafür wurde dringend Postpersonal gebraucht. Wie in allen übrigen Postfilialen prangte auch in Madretsch ein Plakat, das den Frauen empfahl, sich dem militärischen Frauenhilfsdienst (FHD) anzuschliessen – nicht wenige FHD-Angehörige verstärkten damals die Feldpost.

Eine einschneidende Folge des Zweiten Weltkriegs war die Rationierung wichtiger Güter. Auch der Verbrauch von Kohle wurde rationiert, was unter anderem für die Angestellten der Poststelle Madretsch unangenehme Folgen hatte: Mitten im Kältewinter 1941/42 konnten die Posträumlichkeiten nur noch notdürftig geheizt werden. Herr Schori, ein Mitarbeiter, berichtete: «Am Vormittag erreichten die Temperaturen nur 6 bis 10 Grad, nachmittags maximal 14 Grad. Kein Wunder, dass Fräulein Streit und ich seit Tagen einen starken Katarrh herumtragen.» Schori führte das Problem auf zwei Hauptursachen zurück. Erstens sei der alte Ofen ein Kohlefresser, der nicht in die Rationierungszeit passe. Zweitens fehle eine gut schliessende Türe zum Schalterraum, so dass ständig kalte Aussenluft eindringe.

Die Arbeitsbedingungen des Postpersonals in den Jahren 1939 bis 1945 hatten sich übrigens schweizweit verschlechtert: Die Löhne des Bundespersonals wurden um 13 Prozent gekürzt, es galt neu ein Neunstundentag ohne Lohnausgleich. Ausserdem musste nie zuvor und nie danach eine derart grosse Menge an Briefen bewältigt werden – allein im Jahr 1940 standen 700’000 Personen im Aktivdienst.

Der Postraub von Madretsch

Es geschah am Heiligen Abend des Jahres 1941. Herr Streit, der Posthalter, arbeitete noch um acht Uhr abends in der Postfiliale, als hinter den Kohlesäcken in der Remise zwei junge Männer auf einen günstigen Moment warteten. Mühelos verschafften sie sich Zugang zum Postbüro, wo sie Herrn Streit überwältigten, zu Boden warfen und ihn dabei verletzten. Anschliessend leerten sie die Kasse der Filiale, in der sich etwa 1500 Franken befanden, und machten sich aus dem Staub. Doch schon in den ersten Tagen des Jahres 1942 wurden die beiden Posträuber von der Polizei aufgespürt und verhaftet. Nach seiner Genesung nahm Auguste Streit seine bisherige Arbeit wieder auf. Er führte die Poststelle Madretsch bis zu seiner Pensionierung am 1. November 1950, auf ihn folgte Pierre Novarina.

Eine Quartierpost in einem zeitgemässen Gebäude

Bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog die Konjunktur an. Und es folgte ein aussergewöhnlich langer Wirtschaftsaufschwung, der den Wohlstand erstmals etwas breiter verteilte. Auch die Bevölkerung des Madretschquartiers nahm nochmals kräftig zu, und die bisherigen Räumlichkeiten der Poststelle vermochten nicht mehr zu genügen.

Als gleich gegenüber dem aktuellen Standort ein vom Architekten Theo Mäder gestaltetes Wohn- und Geschäftshaus entstand, griff die Post zu. Die neuen Posträumlichkeiten an der Madretschstrasse 12-14 boten dem Publikum viel mehr Raum, zwei Telefonkabinen und 84 Postfächer.

Abb. 5: Die neuen Räumlichkeiten der Poststelle Biel-Madretsch an der Madretschstrasse 12-14 wurden am 11. Juli 1955 eröffnet

Abb 6: Die Fassade des ehemaligen Postbüros an der Madretschstrasse 12-14 im Sommer 2026

Die Entwicklung der Postdienstleistungen

Die 1950er- und die 1960er-Jahre standen generell im Zeichen eines ununterbrochenen Wirtschaftswachstums. Diese lang andauernde Hochkonjunktur widerspiegelte sich auch in der Tätigkeit der Madretscher Postfiliale: Briefverkehr und Paketverkehr nahmen kontinuierlich zu, im Jahr 1970 erreichten sie einen Höchststand. Und wie sich ein früherer Madretscher erinnert, wurde die Post bis Ende 1960er-Jahre dreimal täglich ausgetragen, nämlich um acht Uhr, um elf Uhr und um sechzehn Uhr: «Man konnte auf eine Postkarte schreiben Morgen komme ich mit dem 11 Uhr-Zug nach Hause» – und die Karte kam an, bevor man tatsächlich nach Hause kam.

Mit dem Beginn der Rezession 1974/75 begann in Biel und anderen Uhrenregionen eine Strukturkrise, die viele Arbeitsplätze kostete und zur Abwanderung vieler Menschen aus Biel führte. Somit ging auch der Brief- und Paketverkehr spürbar zurück.

Leider verschlechterte sich etwa im gleichen Zeitraum die Qualität der Postzustellung – Briefe und Pakete wurden nur noch einmal täglich zugestellt. Aus diesem Grund schrieb der Madretscher Posthalter Leuenberger seinen Vorgesetzten, dass seine Kundschaft zusätzliche Postfächer wünsche.  Dass selbst die einmal pro Tag zugestellte Post nicht immer zuverlässig funktionierte, geht aus einer Aktion der Bieler Sektion der PTT-Union im Herbst 1990 hervor: In einer Annonce entschuldigten sie sich bei der Kundschaft für die Mängel, die auf einem katastrophalen Mangel an qualifiziertem Personal beruhten. Mit ihrer Aktion wollten die Gewerkschafter:innen nicht zuletzt die PTT-Generaldirektion ermahnen, die Löhne für die Briefträger:innen endlich zu erhöhen.

Eine starke Gewerkschaft, enorme Herausforderungen

Zu Beginn der 1990er-Jahre zählte die Sektion Biel-Post der PTT-Union etwa 500 Mitglieder. Im Rahmen der 100-Jahr-Feier der Gewerkschaftssektion am 11. Oktober 1992 appellierte der Sektionspräsident Jean-Pierre Michel an die Gewerkschafter:innen, die Ideale der Gründer:innen wieder aufzugreifen. Jean-Noêl Rey hingegen, der PTT-Präsident, kündigte Kostensenkungen an, die unumgänglich seien. Tatsächlich kam in den folgenden Jahren ein Sturm auf das PTT-Personal zu.

Die bürgerliche Mehrheit im Parlament beschloss nämlich, die PTT aufzulösen, indem die Dienstleistungen im Bereich Telekommunikation ab dem 1.1. 1998 von der neu geschaffenen Swisscom erbracht werden sollten. Während die Mehrheit der PTT-Union sich mit der Aufspaltung abfand, ergriffen Linksparteien, Gewerkschaften und einige Sektionen der PTT-Union das Referendum. Dieses scheiterte jedoch in der Sammel-phase, mussten doch gegen vier Gesetze gleichzeitig Unterschriften gesammelt werden.

Nach der Aufspaltung in Post und Swisscom gerieten die Lohn- und Arbeitsbedingungen des Postpersonals zusätzlich unter Druck. Im November 2000 verlor es den Beamtenstatus – in der Volksabstimmung, die die Gewerkschaften erzwungen hatten, wurde das neue Bundespersonalgesetz gutgeheissen.

Der Abbau beim Poststellennetz…

Die Schweizer Post erwog schon im Jahr 2001, das Poststellennetz massiv auszudünnen – gemäss ersten Plänen sollte die Zahl der Poststellen von 3500 auf 2500 reduziert werden. Ein weiterer Tiefschlag kam von der Politik: Ab dem Jahr 2004 fiel das Monopol der Post bei der Paketpost, 2006 bei den Briefen über 50 Gramm.

…und der gewerkschaftliche Widerstand

Als Nachfolgeorganisation der PTT-Union wehrte sich die Gewerkschaft Kommunikation vehement gegen den Kahlschlag im Poststellennetz. Zuerst mit einer Petition, die von 125’000 Personen unterstützt wurde, dann mit der Volksinitiative «Postdienste für alle»: Bei Entscheiden betreffend Poststellennetz sollten die betroffenen Gemeinden mitreden können, wenn nötig sollte der Bund die Kosten für die Grundversorgung tragen. Am 26. September 2004 wurde diese Initiative mit 49.77% Ja-Stimmen äussert knapp abgelehnt. Dieser Achtungserfolg trug dazu bei, dass die Gewerkschaft Kommunikation eine zweite Volksinitiative zur Rettung des Poststellennetzes lanciert und am 2. 9. 2010 einreichte: Die Initiative «Für eine starke Post» sah vor, dass die Kosten für das Poststellennetz unter anderem aus den Gewinnen einer Postbank getragen würden, die zu 100 Prozent der Schweizerischen Post gehöre. In Rekordzeit kam die notwendige Anzahl Unterschriften zustande, doch am 10. September 2012 wurde das Volksbegehren zurückgezogen.

Der Umzug der Postfiliale an die Brüggstrasse 10

Ab dem 23. Januar 2006 bot die Poststelle Biel-Madretsch ihre Dienstleistungen in den neuen Räumlichkeiten an der Brüggstrasse 10 an: Aus Sicht der Post waren grössere und modernere Einrichtungen nötig geworden. Ein weiterer Grund für den Umzug war die Verkehrslage: Die Post wollte dem Teil der Kundschaft entgegenkommen, der über ein Auto verfügte. Auch die Lastwagen der Post sollten die Filiale einfacher bedienen können. Wie bisher wurde die Kundschaft an drei Schaltern bedient, dazu kam ein vierter Schalter für die Geschäftskunden. Das Arbeitsvolumen wurde mit 370 Stellenprozenten bewältigt – drei Vollzeitstellen und zwei Teilzeitstellen.

Mit der Ausbreitung der Digitalisierung veränderte sich das Verhalten der Postkundschaft. Im Herbst 2016 verkündete die Konzernleitung der Post einen dramatischen Rückgang der Umsätze an den Postschaltern. Im Zeitraum 2001 bis 2016 betrage der Rückgang bei der Briefpost 63 Prozent, jener der Paketpost 42 Prozent, jener des Zahlungsverkehrs 37 Prozent. Aufgrund dieser Zahlen plante die Post eine weitere Ausdünnung des Poststellennetzes – bis ins Jahr 2020 sollten die Zahl der Poststellen von 1400 auf 800 gesenkt werden, dies würde 1200 Stellen betreffen.

Abb. 7:  Die Poststelle Biel-Madretsch an der Brüggstrasse 10 im Juli 2026

Abb. 8:  Das Gebäude an der Brüggstrasse 10 kurz nach der Schliessung der Poststelle

 

Der weitere Abbau des Poststellennetzes

Gleichzeitig verkündete die Post, sie wolle die Zahl der Postagenturen um 400 bis 500 erhöhen. Dort sollten Postdienstleistungen von nicht gründlich ausgebildetem Personal angeboten werden. Im Jahr 2027 gab das Parlament Gegensteuer zu gewissen Abbauplänen: Es setzte durch, dass die Post die Zustellung in allen ganzjährig bewohnten Siedlungen weiterführen musste.

In den folgenden Jahren ging die Nachfrage nach Postdienstleistungen am Schalter weiter deutlich zurück. Und leider sah die Konzernleitung keine andere Möglichkeit als eine weitere Ausdünnung des Poststellennetzes: Bis im Jahr 2028, verkündete sie Ende Mai 2024, wolle sie weitere rund 170 eigenbetriebene Filialen schliessen. Also fast ein Fünftel der damals noch knapp 800 Filialen. Am 29. Oktober 2024 wurde die Liste der zu schliessenden Poststellen bekannt – betroffen waren vor allem die Randregionen. Doch auch in Biel drohte die Schliessung der beiden Postfilialen Biel-Bözingen und Biel-Madretsch.

Der Widerstand gegen den bislang letzten Kahlschlag im Poststellennetz

Die Gewerkschaft syndicom empfand die Abbaupläne der Post als Affront. Manuel Wyss, der Verantwortliche für den Sektor Logistik, betonte:  «Das heutige Netz mit 770 eigenbetriebenen Filialen ist weiterzuführen. Die postalische Grundversorgung und damit der Service public darf etwas kosten, denn er stärkt den Zusammenhalt der Schweiz. Das dezentrale Netz und die physische Präsenz mit vollwertigen Filialen sind ein Schlüsselfaktor der Post, den es zu Gunsten der Bevölkerung und der Wirtschaft zu erhalten gilt.» Wyss kritisierte auch die Strategie der Post, vollwertige Postfilialen durch «Partnerfilialen» zu ersetzen: Wenn oberflächlich ausgebildetes Personal einen Teil der Postdienstleistungen weiterführe, untergrabe dies den bestehenden Gesamtarbeits-vertrag. Zudem sei das Postgeheimnis in den Dorfladen-Partnerfilialen gefährdet.

Der Widerstand gegen die geplanten Schliessungen in Biel

In Biel organisierte die Gewerkschaft Syndicom am 16. November 2024 eine Protestaktion gegen die Schliessung von Postfilialen in Biel. An der Kundgebung brachte Jean-François Donzé, Regionalsekretär von Syndicom, das Problem auf den Punkt: „Die Post setzt ihre Salamitaktik des Poststellenabbaus fort. Wachen wir auf und stoppen wir die Poststellen-Wüste!“ Fabio Wihler, auch er Syndicom-Regionalsekretär, ergänzte: „Es handelt sich um einen Angriff auf den öffentlichen Dienst, aber auch auf das Personal der Poststellen.“ Beide Redner riefen politische Akteure, Gemeinden und die Bevölkerung auf, sich gegen die Schliessungspläne der Post zu wehren.

Von den KundgebungsteilnehmerInnen, unter ihnen viele Mitglieder der SP und der Grünen, erhielten sie ein positives Echo. In Redebeiträgen sicherten Karim Said, Anna Tanner und Glenda Gonzalez Bassi zu, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegen die Filialschliessungen einzusetzen.

Die Protestaktion gegen geplante Poststellenschliessungen in Biel, 16.11.2024: Die Ansprachen von Jean-François Donzé vor der Poststelle Biel-Madretsch (Abb 9), von Glenda Gonzalez-Bassi vor der Neumarktpost (Abb 10).

Zwischen dem 16. November und dem Jahresende sammelte die SP-Sektion Biel-Madretsch Unterschriften für eine Petition, die die Erhaltung der Postfilialen Biel-Madretsch und Biel-Bözingen verlangte. Am 23. Dezember konnte die Petition mit 218 Unterschriften der Stadtkanzlei überreicht werden.

Abb. 11: Die Übergabe der Petition mit 218 Unterschriften für die Erhaltung der Postfilialen Biel-Madretsch und Biel-Bözingen an die Stadtkanzlei, am 23. Dezember 2024. Von links nach rechts: Julien Steiner, Stadtschreiber, Christoph Lörtscher und Adrian Zimmermann vom Vorstand der SP Biel-Madretsch.

Das Ende der Poststellen Biel-Madretsch und Biel Mett

In den Jahren 2025 und 2026 verhandelte der Gemeinderat mit der Post über das künftige Poststellennetz in der Stadt Biel. Er versuchte, die Einbussen bei der Grundversorgung in den Quartieren möglichst gering zu halten, und appellierte an die Post, die betroffene Bevölkerung in den Entscheidungsprozess einzubeziehen. Am 3. März 2026 informierten die Post und die Behörden über die getroffenen Entscheide: Aufgrund des regen Wachstums im Quartier konnte die Schliessung der Filiale Biel-Bözingen verhindert werden. Doch die Tage von zwei Poststellen waren gezählt: Die Filiale Biel-Madretsch sollte am 3. Juli 2026, die Filiale Biel-Mett im Oktober 2026 definitiv schliessen. Um der Quartierbevölkerung wenigstens einen Teil der postalischen Dienstleistungen zugänglich zu machen, wurden anstelle der Poststellen «Partnerfilialen» geschaffen: In Madretsch sollte der Co-Working-Space Quidux, in Mett der Coop-Supermarkt je einen Postschalter betreiben.

Damit das Ende der Poststelle Biel-Madretsch nicht ganz sang- und klanglos über die Bühne gehe, würdigte die SP Biel-Madretsch die 136 Jahre Präsenz der Schweizer Post im Quartier am 3. Juli mit einem Spezialversand an ihre Mitglieder. Ausserdem ist der vorliegende kleine historische Rückblick als Hommage an die Postangestellten zu verstehen, die dem Quartier unter oft schwierigen Arbeitsbedingungen wertvolle Dienste geleistet haben.

Abbildungsverzeichnis

Sammlung Charles Bähler, in: Die Postgeschichte der Stadt Biel (1989): Abbildung 1

Christoph Lörtscher: Abbildungen 4, 6, 7, 8, 9, 10

Archiv PTT: Abbildungen 2, 3, 5,

Unbekannt: Abbildung 11

Text:

Christoph Lörtscher

Für den Text benutzte Quellen:

Berner Zeitung, 19. März 2025. Post soll Bevölkerung bei Planung einbeziehen

Journal du Jura, 12. Oktober 1992. Centenaire de l’Union PTT.

Kampfgeist und Widerstand Chronik einer bewegten Geschichte. 125 Sektion Bern Postpersonal, Gewerkschaft Kommunikation, Bern 2010

Poststellenchronik KPD Neuenburg: Biel/Bienne 7 Madretsch (BE), Archiv PTT

Seeländer Volksstimme, 7. Dezember 1929

Teuscher, Lotti (1992). Warum Bieler Pöstelern 1892 der Kragen platzte. 100 Jahre PTT-Union, Sektion Biel. In: Bieler Jahrbuch 1992

https://www.nau.ch/news/schweiz, 16.11.2024. Protestaktion in Biel gegen die Schliessung von Poststellen

www.sp-madretsch.ch, 3. März 2026 Das Ende der Poststellen Biel-Madretsch und Biel-Mett – ein Abbau des Service Public ist der falsche Weg!

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