Mehr Elternzeit für die Schweiz!

Ein neues Generationenwerk für die Gleichstellung

«Wir fordern die Schweiz heraus, ein neues Generationenwerk für die Gleichstellung zu erschaffen. Wir fordern je 18 Wochen Familienzeit für beide Elternteile. Denn ohne Frauen keine Zukunft. So ist der Lauf der Dinge, der Gang der Geschichte. Seit jeher und immerfort. Ein Land, das Kinder und Fachkräfte will, muss die Vereinbarkeit fördern.»  Mit diesen Worten haben sich Initiant:innen der Familienzeit-Initiative bei der Lancierung der Unterschriftensammlung am 2. April 2025 an die Öffentlichkeit gewandt. Wir unterstützen diese Initiative (Unterschriftenbogen am Schluss des Artikels)! Unser Mitglied, die Ärztin Lynn Jacobshagen, erklärt, warum es mehr Elternzeit braucht:

„Ich schliesse mich der Initiative für eine längere Elternzeit an, weil die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Säuglinge sechs Monate lang ausschliesslich zu stillen. Nach Einführen der Beikost, zu welcher die WHO um den 6. Lebensmonat rät, gilt die Empfehlung, das Stillen für zwei Jahre oder länger fortzusetzen. Wenn es die Mutter denn kann und möchte. Aber kann frau dies in der Schweiz? Bei 14 Wochen Elternzeit wohl kaum.

Ein Artikel der NZZ vom Februar 2024 zeigt, dass das Thema Stillen und Elternzeit aktuell ungelöst bleibt. Es wird beschrieben, dass die Rate der stillenden Mütter drastisch sinkt, nachdem die 14-wöchige Elternzeit vorbei ist: nämlich von 62 auf 26 Prozent. 14 Wochen sind nur knapp mehr als die Hälfte der empfohlenen 6 Monate.

Es existieren Arbeitsstellen mit Stillräumen, aber wie geht das bei einer Lokführerin? Oder einer Lehrerin? Oder einer Pflegenden oder Ärztin in der Notaufnahme, wie mir? Ich hätte diese Zeit nicht und bin jeweils froh, wenn ich während meiner Schichten überhaupt zu Mittag respektive zu Abend essen kann.

In den 38 OECD-Ländern, zu denen auch die Schweiz gehört, beträgt die Elternzeit im Mittel 54,4 Wochen. Das sind 40 Wochen mehr als bei uns! Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) betitelt die Schweiz gar als familienunfreundlichstes Land Europas. Ich finde das frappierend.

Damit sind wir beim Thema Gleichstellung und Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern, das gerade im Berufsfeld der Medizin so drängend ist, immerhin sind inzwischen 60 Prozent der frisch examinierten Ärzt:innen weiblich. Hätte der Mann mehr Elternzeit, würde die teuer ausgebildete Ärztin weniger genötigt, ihren Beruf, zumindest vorübergehend, aufzugeben – die Verantwortung wäre besser aufgeteilt. Und vielleicht würde sich dann die Schweizer Kinderrate von zurzeit 1,39 Kindern pro Frau dem EU-Durschnitt von 1,46 anzunähern beginnen.

Zurück zum Stillen, um mit einer positiven Nachricht zu schliessen: Wer länger stillt, hat ein niedrigeres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.“

FZI_Unterschriftenbogen_7_SP_DEFZI_
FeuilleDeSignatures_7_PS_FR

Beitrag teilen:

«Kanonen statt Butter» – das geht gar nicht!
Das Jahr 2026 bietet Gelegenheit zu wichtigen Weichenstellungen – hier setzen wir demnächst den Hebel an: